1. Kognitives Lehren und Lernen - Vergleichen und Besprechen
2. Verstehen als Grundlage des Sprachenlernens; Verstehen zur Äußerung
Besprechen/Diskutieren
3. Inhaltsorientierung
4. Textorientierung
5. Effiziente Gestaltung des Lernprozesses - Ökonomisierung des Lernprozesses,
Die deutsche Sprache genoss bis vor kurzem in zentralasiatischen Ländern, besonders in Kasachstan und Usbekistan, großes Ansehen. Dafür gab es viele triftige Gründe: z.B. deutsche Tugenden wie Ordnungsliebe, Arbeitsliebe, Reinheit und Fleiß, was bei der deutschstämmigen Bevölkerung zu beobachten war, die nach der Deportation im Zweiten Weltkrieg in diesen Ländern zusammenlebte. Besonders beliebt waren die deutschen Klassiker wie Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller, Heinrich Heine u.a. Die einheimischen Sprachen übernahmen viele deutsche Wörter und Begriffe in ihren aktiven Sprachgebrauch wie z.B. Buchhalter, Schlagbaum und viele andere. Auch deutsche Autos haben noch heute großes Ansehen. Bis zum Zerfall der Sowjetunion lebte ungefähr über eine Million Deutschstämmige in zentralasiatischen Republiken, für deren Kinder in Kasachstan sogar deutsche Schulen existierten. Deutsch als Fremdsprache (DaF) war eine gängige erste Fremdsprache im Bildungssystem, was sich mit der Staatsunabhängigkeit in Kasachstan (1991) schneller und in Usbekistan wesentlich langsamer zugunsten des Englischen änderte.
Deutsch wird im Bildungssystem als zweite Fremdsprache nach dem Englischen (was in der Realität jedoch sogar dritte oder vierte Fremdsprache der Studierenden ist, vgl. alle vorher gelernten Fremdsprachen wie z.B. Russisch, Englisch usw.), also als Tertiärsprache, an den Fremdsprachenhochschulen und Abteilungen Usbekistans studiert. Aktuell fehlen jegliche Lehrwerke und -materialien für Deutsch als Tertiärsprache. Dies erschwert die Situation und erfordert die Erstellung neuer spezieller Lehrwerke als vorrangige organisatorische methodisch-didaktische bildungspolitische Aufgabe.
Linguistisch und methodisch betrachtet, gibt es im englisch-deutschen Tertiärspachenunterricht vor allem viele Vorteile, weil beide Fremdsprachen genetisch verwandt sind und einen verwandten germanischen Wortschatz haben. Andererseits bestehen auch Probleme wegen der interlingualen falschen Freunde, was man am Beispiel des englischen Wortes gift vs. das deutsche Wort Gift sehen kann.
Für die Bezeichnung einer starken Sprache eines Menschen, die man von Geburt an, als erste Sprache in einer natürlichen Sprachumgebung und auf natürliche Weise erwirbt, wird im Laiendiskurs der Begriff Muttersprache verwendet. Solch eine Alphabetisierte gut entwickelt. Muttersprache Muttersprachler/-innen können i.d.R. problemlos in ihrer Muttersprache alle sprachlichen Handlungen ausführen, sei es Lesen, Schreiben, Sprechen oder Hören. Auch Denken und Träumen realisiert sich ohne Weiteres in der Muttersprache. In der Fachliteratur wird allerdings auf die Problematik des Begriffs Muttersprache vielfach hingewiesen (vgl. z.B. Apeltauer 1997: 10f.; Oomen-Welke 2007: 145; Ahrenholz 2008). Die Gründe dafür sind verschieden. Ist die Muttersprache immer die Sprache der Mutter? Wohl kaum. In einer modernen globalisierten Welt gibt es diverse Spracherwerbskontexte. Kann man bei bilingual aufwachsenden Kindern Muttersprache und einer Vatersprache sprechen? Viele von einem Menschen mit Migrationshintergrund vergessen im Laufe des Lebens ihre Muttersprache und können sich in einer anderen Sprache problemlos, auf einem „muttersprachlichen“ Niveau, verständigen. Wird diese verlorene Sprache immer noch Muttersprache genannt? Wie heißt in diesem Fall die aktuell dominante Sprache? Um solche Mehrdeutungen und Missverständnisse zu vermeiden, wird im Fachdiskurs auf den Begriff Muttersprache verzichtet. Anstatt dessen operiert man mit dem Begriff Erstsprache und definiert ihn als erste Sprache, die jedes Individuum auf natürliche Weise von Geburt an erwirbt.
Deutsch ist für 95-123 Millionen Menschen die Erstsprache. 85% bis 95% davon leben in Europa (vgl. Giersberg 2002: 12). Deutsch ist in sieben Ländern Amtssprache: BRD, Österreich, Liechtenstein, die Schweiz, Luxemburg, Italien (autonome Provinz Bozen), Belgien (Ostbelgien).
Mit Deutsch als Fremdsprache assoziiert man vor allem das Lernen von Deutsch in einem nicht-deutschsprachigen Ausland. So lernen ca. 15-20 Millionen Menschen weltweit DaF, drei Viertel davon in der Schule; ein Viertel an Hochschulen und Einrichtungen der Erwachsenenbildung, so Giersberg (2002:13). Bis zu ca. 150 Millionen Menschen weltumspannend sprechen Deutsch als Fremdsprache, die Mehrheit davon lebt in Europa.
Das Land mit den meisten Deutschlernenden ist Polen (ca. 2,35 Mio. Lerner/-innen). Russland mit 2,3 Millionen DaF-Lernenden nimmt den zweiten Platz ein. In Frankreich vermittelt man DaF ca. einer Million Lernenden. Auf dem vierten Platz steht die Ukraine (ca. 690 Tausend DaF-Lernende), gefolgt von Usbekistan (ca. 640 Tausend DaF-Lernende) und den USA (ca. 495 Tausend DaF-Lernende).
Womit verbinden Sie Deutsch als Zweitsprache? Bei dieser sich in der ersten erinnern Seminarsitzung Studienanfänger/-innen DaZ/DaF in Deutschland hauptsächlich an Bilder und Beschreibungen von Homepages ihrer Studiengänge. Vgl. die Beschreibung des DaZ-Profils auf der Homepage des Bachelorstudienganges DaZ/DaF der Pädagogischen Hochschule Freiburg.
Zu betonen ist, dass Zweitsprache als Terminus vor allem von einer zweiten Sprache zu unterscheiden ist. Eine zweite Sprache deutet lediglich auf die Reihenfolge hin. Unter dem Begriff Zweitsprache verbirgt sich jedoch viel mehr, als eine reine Reihenfolge.
Korrekt ist, dass Zweitsprache nach der Erstsprache gelernt wird. In einigen Fällen wird die Zweitsprache tatsächlich als zweite Sprache (der Reihenfolge nach) nach der Erstsprache gelernt. Für andere Fälle muss das nicht zutreffen.
Ahrenholz (2008: 6) weist darauf hin, dass viele Autoren den Begriff Zweitsprache ,,als übergeordnete[n] Begriff für alle Formen der Sprachaneignung nach der Erstsprache verwenden, andere unterscheiden insbesondere Tertiärsprachen und Fremdsprachen“.
Für die Definition der Zweitsprache sind u.a. der Erwerbskontext und die Zielsetzungen beim Sprachenlernen von entscheidender Bedeutung. So zeichnen Henrici u.a eine Trennlinie zwischen Zweit- und Fremdsprache anhand der Ziel-bzw. Ausgangskultur ab (2001: 8):
Von Zweitsprache und Zweitspracherwerb spricht man, wenn der Erwerb innerhalb der Zielkultur stattfindet, Fremdsprache und Fremdsprachenerwerb, wenn der Erwerb im Kontext der Ausgangskultur geschieht.
Apeltauer unterscheidet die Aneignung einer Fremdsprache von der Aneignung einer Zweitsprache durch den Lernkontext und den Gebrauch der Sprache außerhalb des Unterrichts (1997: 15):
Die Aneignung einer Fremdsprache unterscheidet sich nun von der Aneignung einer Zweitsprache dadurch, daß Lerner ihre neue (fremde) Sprache außerhalb des Unterrichts, z.B. beim Spielen mit Nachbarskindern, nicht gebrauchen können. So lernen z.B. türkische Schüler in Deutschland ,,Deutsch als Zweitsprache“, weil sie Deutsch auch auf der Straße, beim Spielen etc. Verwenden können, in der Türkei hingegen lernen sie ,,Deutsch als Fremdsprache“.
Eine weitere Unterscheidung liegt in der/dem Erwerbssituation und -prozess. Eine Sprache kann erworben oder erlernt werden. Der Spracherwerb findet auf eine natürliche Weise statt, in der gewöhnlichen Sprachumgebung, ohne Curricula, ohne explizites Lernen und Pauken von sprachlichenRegeln und neuem Wortschatz. Das Sprachenlernen ist im Gegensatz dazu mit einem bewussten Lernprozess verbunden und findet gesteuert, üblicherweise in einem institutionellen Kontext, statt, z.B. im Schulunterricht. Gesteuert wird der Lernprozess im Fall des Schulunterrichts durch die Stundenzahl, Schulcurricula, Lehr- und Unterrichtspläne, die vorgesehene das Lernpensum, Progression beim Sprachenlernen, Hausaufgaben, Lehrwerke, Lehrmethoden, Tests und Prüfungen usw.
Aktivierung der Lernenden (Neuner et al. 2009: 41 ff.)
Das Prinzip des kognitiven Lehren und Lernens beruht auf dem bewussten Sprachvergleich der L1, L2, L3, Lx und regt die Lernenden zur aktiven Suche nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden an. So kann z.B. für die Konstellation Englisch und Deutsch als Fremdsprachen, die über dieselbe Sprachwurzel verfügen, die Anknüpfung an einen gemeinsamen Wortschatz beim Lernen der deutschen Sprache als zweiter Fremdsprache hilfreich sein, denn in beiden Sprachen gibt es viele Wörter, die entweder gleich geschrieben werden oder dieselbe Bedeutung haben. Gleichzeitig kann durch den Hinweis auf „,falsche Freunde" und Sprachaufmerksamkeit trainiert Sprachbewusstheit erweitert werden. Dazu gehört auch, über Lerntechniken nachzudenken und das Wissen über Lernstrategien zu komplettieren. Ebenso kann der Diskurs über die eigenen Lernprozesse im Sinne des lauten Denkens zur Steigerung des effektiven Sprachlernens beitragen.
Dieses Verfahren des Vergleichens und Besprechens (Diskutieren, Anstellen von Vermutungen und Aufstellen von Hypothesen, die besprochen werden) macht die Lernenden zu aktiven Entdeckern ihrer eigenen Sprachwelt,, im Kopf" und des eigenen Sprachlernprozesses. (Neuner 2003: 28)
Das Prinzip des Verstehens bedeutet, Sprachphänomene wahrzunehmen, Sprachmuster oder Schemata zu entdecken und die daraus resultierenden neuen Informationen mit alten Wissensbeständen zu verknüpfen. Dabei wird ein Lernen mit d.h. sprachkommunikative Handlungen werden sowohl bei der Auseinandersetzung mit Texten wie auch im mündlichen Diskurs vorgenommen und sind mit Aufgaben verbunden, die sowohl altersadäquat als auch an der Lebenswelt der Lernenden orientiert sind. Dazu gehört auch, sich bewusst mit den eigenen Lernwegen auseinanderzusetzen und sich der ,,,Transferbrücken" (Meissner 2000; zit. in Neuner 2003: 25) von einer Sprache in die andere bewusst zu werden.
Wenn das Verstehen die Grundlage des Lernens ist, dann bedeutet dies, dass der Verstehensprozess breit entfaltet werden muss und dass der Lernweg vom Verstehen zur Äußerung führt. (Neuner et a. 2009: 43)
Das Prinzip der Inhaltsorientierung bezieht das Alter der Sprachlernenden in die Unterrichtsgestaltung mit ein, d.h. die Unterrichtsthemen richten sich danach, ob es sich um Schüler/-innen der Primarstufe oder der Sekundarstufe handelt. Die Lernmaterialien sollten daher die jeweiligen Interessen der Lerngruppe in Betracht ziehen. Dazu gehört z.B. die bewusste Auseinandersetzung mit landeskundlichen interkulturellen Vergleich.
Man kann annehmen, dass man Schüler leichter zum Erlernen einer Fremdsprache motivieren kann, wenn sie durch gut aufbereitete Materialien dazu angeregt werden, Themen, die sie selbst interessieren und zu denen sie aus ihrer eigene Welt Erfahrungen mitbringen, in der fremden Welt zu erkunden (,,Was ist ähnlich? Was ist anders?") und dadurch die eigene Welt unter veränderten Perspektiven sehen zu lernen. (Neuner et al. 2009: 43)
Das Prinzip der Textorientierung basiert auf der Tatsache, dass die Welt der Folgesprache über Texte und Medien aller Art transportiert wird. Die Arbeit mit Paralleltexten, d.h. mit Texten sowohl in der Erst- als auch in den Folgesprachen stellt ein besonderes Instrument des Sprachlernens im tertiärsprachlichen Unterricht dar. Dazu gehört auch der verstärkte Erwerb von Strategien in der Folgesprache wie z.B. selektive oder globale Lesestrategien.
Das Prinzip der Ökonomisierung besagt, dass für den Unterricht in den Folgefremdsprachen häufig weniger Zeit zur Verfügung steht und daher zeitsparende Lehr-Lernprozesse durchgeführt werden, in denen der Lernstoff kompakter dargeboten und durchgenommen werden kann. So beginnt ein Lehrwerk, das tertiärsprachlich didaktisiert schon in der ersten Lektion mit weitaus komplexeren Texten als ein Lehrwerk für die erste Fremdsprache. Auch die Progression sowohl des Wortschatzes als auch der Grammatik steigt viel stärker an.
Für Deutsch nach Englisch gilt beispielsweise, dass [d]ie zahlreichen Parallelen in den Sprachsystemen beider Sprachen – insbesondere im Wortschatzbereich, aber auch im Bereich der Grammatik - ermöglichen einen schnelleren und effizienteren Einstieg in die deutsche Sprache, wenn man sich zunächst bewusst auf diese Transferbrücken konzentriert (Neuner et al. 2009: 31)
In dem vorliegenden Lehrwerk wurden die grammatischen Themen der deutschen Sprache sowie die zu jedem gehörenden Testaufgaben auf der Grundlage der aktuell verwendeten Lehrbücher der allgemeinbildenden Schulen akademischer Lyzeen und Berufskollegs zusammengestellt.
Die Übereinstimmung der Aufgaben mit der thematischen Abfolge der Lehrbücher sowie die Gliederung der Tests in eine mehrere Varianten
stellen eine zusätzliche Erleichterung für Lernende und Fachlehrkräfte
dar und ermöglichen es zugleich Studienbewerbern, ihre Kenntnisse selbständig überprüfen.
Bei der Ausarbeitung dieses Lehrwerks würden die wissenschaftlichen Erfahrungen inländischer und ausländischer Fachwissenschaftler berücksichtigt.
Das Lehrwerk mit dem Titel „Die deutsche Grammatik mit Tests“ richtet sich an Lehrkräfte der allgemeinbildenden Schulen, akademischen Lyzeen und Berufskollegs, an Studienbewerber sowie an alle Interessierten, die die deutsche Sprache erlernen möchten, insbesondere an Lehrkräfte des Faches „Deutsch“.
Der vorhandene Lösungsschlüssel zu sämtlichen im Lehrwerk enthaltenen Aufgaben und Tests ermöglicht eine selbständige Arbeit mit diesem Buch.
Literatur:
Ilyasov I. Principles of tertiary languagie didactics. This article examines the key principles of tertiary language didactics with a focus on teaching German as a second or subsequent foreign language after English. Special attention is paid to cognitive teaching and learning based on conscious comparison of languages (L1, L2, L3), the role of comprehension as the foundation of language acquisition, content- and text-oriented instruction, and the economization of the learning process. The paper highlights the importance of activating learners’ prior linguistic knowledge, developing language awareness, and using transfer bridges between related languages, particularly English and German. The study also addresses the sociolinguistic and educational context of German language learning in Central Asia, especially in Uzbekistan, where German is increasingly taught as a tertiary language. The lack of specialized teaching materials is identified as a major challenge, emphasizing the need for new didactic concepts and textbooks adapted to tertiary language learning.
Илясов И. Принципы высшего языкового образования. В статье рассматриваются основные принципы дидактики третьего языка на примере обучения немецкому языку после английского. Особое внимание уделяется когнитивному обучению, основанному на осознанном сравнении родного и ранее изученных иностранных языков (L1, L2, L3), а также пониманию как базовой предпосылке успешного усвоения языка. Анализируются принципы содержательной и текстовой ориентированности обучения, экономизации учебного процесса и активизации познавательной деятельности обучающихся. Подчеркивается значение языковой осознанности, межъязыкового переноса и использования сходств между английским и немецким языками. В статье также освещается социолингвистическая ситуация преподавания немецкого языка в странах Центральной Азии, в частности в Узбекистане, где немецкий язык функционирует преимущественно как третий иностранный. Отмечается дефицит специализированных учебных материалов и обосновывается необходимость разработки новых методико-дидактических концепций и учебных пособий для обучения немецкому языку как третьему иностранному.